Somavara 9

Montag ist der Tag des Mondes und auch Shivatag. Shiva steht unter anderem für Transformation. Ein wunderbarer Tag zum Reflektieren über meine Woche vom… 4. bis 10. Oktober 2021.

entwickelt giraffenartiges Beobachten gewertschätzt die Entwicklung meines Sohnes yogagelebt viel Bhakti mit Satsang streamen und Harmonium spielen ausgeschwärmt vom Bett in die Apotheke und zurück verbündet mit der Großfamilie aus dem nächsten Dorf

Eine schöne Woche. Tolle Momente, viel Zeit zum Reflektieren hab ich mir genommen. Und zum Nachdenken über dies und das. Aber nicht im negativen Sinn. Überwiegend war es eher Philosophieren statt Grübeln. Ich konnte mich in dieser Woche gut „beobachten“. Wie eine Giraffe. Fest mit den Beinen auf der Erde aber durch den langen Hals die Möglichkeit Dinge mit Abstand zu betrachten 😉

Ich bin immer noch etwas erkältet aber es ist deutlich besser. Hin und wieder räuspere ich mich weil mir noch so ein bisschen Schleim im Rachen steckt. Zwischendurch hatte ich eine Bonnie Tyler Stimme, die aber schnell wieder verflog. Aber sonst ist mir deutlich wohler. Dafür hängt das Baby so ein bisschen in den Seilen. Ich lerne eine ganz neue Seite an ihm kennen. Kein Strahle-mann sondern müde und weniger fröhlich. Er schläft nicht richtig. Wenn er einschläft, dann in der Manduca und dann auch nur für 10 bis 15 Minuten. Vielleicht liegt es daran, dass ich älter geworden bin (wird man da ängstlicher und sorgenvoller?) aber ich habe das Gefühl, dass es mich etwas mehr mitnimmt als bei meiner Tochter.

Frau Ungeduld

Die besagte Tochter kam am Montag nicht so richtig aus dem Bett. Ich war ungeduldig mit ihr. Das Anziehen dauerte mir zu lange. Ach naja… hinterher weiß ich natürlich, dass auch ich mal schlecht schlafe und deswegen morgens länger brauche. Mittags wars aber schon wieder vergessen und wir wieder versöhnt. Sie half mir bei einem größeren Einkauf (Konservenvorrat füllen) und beim Brennholz ins Haus tragen.

Den Vormittag nutzte ich für ein bisschen Papierkram (Steuer 2020 vorbereiten… uff) und nahm mir mal wieder Zeit für eine Freundin. Ich schickte ihr lange Audionachrichten. Allerdings verspüre ich schon wieder etwas länger den Drang in mir, mal wieder Pause zu machen. Von den sozialen Medien, von WhatsApp. Mir kam die Idee eines regelmäßigen „Zoom Kaffeeklatsch“, um mir bewusst Zeit für jemanden (in diesem Fall speziell meine Mama) zu nehmen statt hunderte von kurzen Nachrichten hin- und herzuschreiben. Diese Woche hatte ich auch mal über einige Stunden (!) mein Notizbuch, das ich mir in Schweden gekauft hatte, in der Hand. Ich blätterte fleißig darin, strich Dinge von meiner Liste, ergänzte sie um andere Dinge und hinterher fühlte ich mich unheimlich erfüllt. Es gab mir so viel mehr als das Rumdaddeln am Smartphone. Ich spielte in dieser Woche sogar mal mit dem Gedanken, mir ein „Seniorenhandy“ zuzulegen und mein Smartphone abzuschaffen. Ein Handy, mit dem man einfach nur telefonieren kann.

Meine Yoga-Abende musste ich in dieser Woche leider absagen. Dafür ging es mir gesundheitlich leider wirklich zu schlecht. Meiner Nachbarin, die diese Woche ihren 60sten Geburtstag feierte, machte das nichts aus. Ich durfte trotzdem etwas Zeit mit ihr verbringen, ein kleines Geschenk überreichen, Kuchen essen und plaudern. Meine Nachbarin ist nicht einfach nur meine Nachbarin sondern inzwischen eine Vertraute und meine „gute Kräuterhexe“, die ich jederzeit um Rat fragen kann. Sie begleitete auch die Geburt meines Sohnes, wofür ich ungeheuer dankbar bin. Neben meiner Tochter, eine der besten Geburtsbegleiterin, die ich mir hätte wünschen können.

Damit bin ich erneut bei meinem Sohn angekommen. Er übt seit dieser Woche fleißig in den Vierfüßlerstand zu kommen. Heute, am Montag, hat er das Robben für sich entdeckt. Außerdem besuchten wir zum zweiten Mal die Osteopathin des Vertrauens, die noch ein paar Blockaden lösen konnte. Gelegentlich halte ich ihn übrigens auch ab. Ich biete ihm also die Toilette an, statt alles in die Windel laufen zu lassen. Das klappte in dieser Woche besonders gut. Jeden Morgen wackelte ich mit ihm ins Badezimmer und das erste kleine Geschäft des Tages wurde erledigt wie wir Großen das eben auch machen.

Dem Robben und Krabbeln steht nichts mehr im Wege.

Ein weiteres Thema, das mir in dieser Woche immer wieder begegnete, war der Umgang mit Alkohol. Gerade in Bayern, hört man ja häufig, ist „Bier ein Grundnahrungsmittel“. Inzwischen finde ich diese Aussage mehr als verwirrend. Als mein Mann und ich aufs Land zogen, war ich meist die „Fahrerin“ wenn es auf Konzerte oder Veranstaltungen ging und somit zwangsläufig nüchtern. Wobei auch das keine Selbstverständlichkeit ist. Nach und nach trank ich allgemein immer weniger und als ich die Ausbildung zur Yogalehrerin begann, hörte ich komplett auf. Vor einigen Wochen versuchte ich mich mal wieder an einem alkoholfreiem (!) Radler, aber nicht mal mehr das schmeckte mir. Immer bewusster wird mir die Volksdroge Alkohol. Immer erschreckender finde ich es, dass manche Menschen Alkohol wie Wasser zu sich nehmen und Alkohol so allgegenwärtig ist. Anerkannt in unserer Gesellschaft. Auch im Schwedenurlaub kam ich in so eine für mich skurrile Situation. Eine Familie trank 5L Rotwein aus dem Tetrapack. Ganz „stilvoll“. Zur selbstgemachten „Knäckebrotpizza“ So geht das scheinbar klar. Ob die selbe Menge und der selbe Wein bei einem Obdachlosen ohne die Knäckebrotpizza klar ginge, bleibt fraglich. Übrigens nannte sich der Rotwein „Primitivo“. Da musste ich doch mal kurz schmunzeln.

Am Wochenende kreisten meine Gedanken viel ums Yogaunterrichten. Ein spontaner Besuch bei einer Bekannten verstärkte das, denn ich hatte bei unserem Gespräch diesen Gedanken, dass für manche Menschen gerade jetzt (Corona, Abstand, Regeln, die sich gefühlt täglich ändern) die richtige Zeit für Yoga wäre um einen klaren Geist zu bekommen oder zu bewahren. Ich muss zugeben, dass mir das Unterrichten auch etwas fehlt. Ich leite in den nächsten zehn Wochen zwei Kurse. Das finde ich, rational betrachtet, völlig in Ordnung, dafür, dass ich vergangenen Mai einen Sohn geboren habe. Emotional würde ich gerne wieder mehr Stunden anleiten. Ich suchte also nach Räumlichkeiten, Ergo- und Physiotherapiepraxen, die ich nutzen könnte. Ich verschwendete (!) unheimlich viel Zeit und Gedanken mit dieser Thematik. Denn Fakt ist, dass wir als Familie davon in keinster Weise profitieren würden. Ganz im Gegenteil.

Apropos Familie. Die machte am Sonntag einen kleinen aber feinen Ausflug in den Ort, in dem die Schule der Tochter steht. Sie wollte uns Großen nämlich einmal den Weg zur Kirche, das „Murmelspiel“ am Rathaus und die Kirche zeigen, die sie anlässlich Erntedank besucht hatten. Sie war sogar offen und wir konnten uns den Erntedank-Teppich ansehen. Ich genoss die Minuten in der Kirche sehr und nahm mir sogar Zeit für ein kleines Gebet. Vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.

„Ich bin gläubig- aber ich glaube nicht an die Kirche.“

Ich bin katholisch getauft, ging zur Kommunion und auch zur Firmung. Mit 18 Jahren trat ich aus. Ich konnte mit alldem nichts anfangen, ich verstand nicht, warum ich ständig „der Sünder“ war und es war alles so… betrauernd und depressiv. Gerade die Sache mit den Sünden und dem Beichten ging soweit, dass ich irgendwann nur noch beichten konnte, gelogen zu haben. Denn ich musste „Sünden“ erfinden, weil mir so gar nix einfiel, was ich Dummes getan haben könnte. Ganz unerwartet fand ich durch die Yogalehrerausbildung (wieder) zum Glauben. Heute sage ich gerne, dass ich gläubig bin. Ich glaube eben nur nicht an die Kirche. Womit ich nicht das Gotteshaus an sich meine, sondern die „Vereine“ evangelische aber vor allem katholische Kirche. Darüber könnte ich aber vermutlich noch etwas länger philosophieren, was den Rahmen hier sprengen würde.

Am Sonntagnachmittag: noch mehr Familie. Freunde mit Schulkind, Kleinkind und Baby und besuchten uns. Ich überreichte ein paar kleine Geschenke, die ich für praktisch hielt. Etwas zum Anziehen fürs Baby, in das es erst noch reinwachsen darf denn mit den kleinen Größen ist man ja häufig ausreichend versorgt. Etwas zum Spielen, das auch noch etwas warten kann. Für die Mama, vielleicht auch für den Papa, einen selbstgemachten Roll-On mit ätherischen Ölen für stressige Momente (Orange zum Heben der Stimmung und Zeder zum Verwurzeln und Erden in Mandelöl) und speziell für Mama Johanniskrautöl (selbstgemacht) zur Narbenpflege. Auch das Schulkind bekam ein kleines Geschenk. Einen Gutschein nämlich. Für eine Übernachtung bei uns „wenn die kleinen Brüder nerven“ 😉

Nach Quatschen und Synchronstillen auf der Couch, folgte ein Spazierung in der Sonne und plötzlich war da wieder das Thema Kirche. Denn sie fragten uns, ob wir uns vorstellen könnten, die Patenschaft für Mini zu übernehmen. Ui. Ich fühlte mich geschmeichelt, für meinen Mann war die Sache ohne viel Aufregung „eh klar“. Baby soll katholisch getauft werden. Offensichtlich bekomme ich da gerade die Möglichkeit die katholische Kirche neu zu beleuchten. Ich lasse es mal so stehen und warte ab, was sich daraus noch für Gedanken bei mir entwickeln 😉 Ob wir das Patenamt übernehmen können, rein formell gesehen, müssen wir aber wohl noch abklären.

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