Vom glücklichen Baby und anderen Asanas

vomgluecklichenbaby1.jpgIm vorletzten Beitrag erwähnte ich zweimal meine Hüfte bzw das Hüfte Öffnen. Definitiv einen Blogbeitrag wert!

„Öffne Deine Hüfte“, bekam ich am Anfang meines Yogi Daseins oft zu hören. Das soll meine „emotionalen Verspannungen“ lösen. Aha. Verstanden hab ich das nicht so recht. Und auch den dazugehörigen Asanas konnte ich nicht viel abgewinnen bis irgendwann der Knoten platzte.

Warum ich so lange keine Freude daran hatte wurde mir klar, als ich mich mit der Thematik mal etwas mehr befasste.

Ein Ausflug in die Anatomie:

Das Hüftgelenk besteht aus zwei Beckenschaufeln und dem Oberschenkelknochen. Diese sind mit einem Kugelgelenk mit den Hüftpfannen verbunden. Der Oberschenkel steckt mit seinem Kopf in der Gelenkpfanne und kann in einem recht großen Radius bewegt werden. Das Schultergelenk funktioniert ähnlich. Die vielen kleinen und auch größeren Muskeln drum herum tragen zur Stabilität und Aufrichtung des Körpers bei. Auch der bekannte Beckenboden sitzt hier. Die Hüfte ist das Verbindungsstück vom oberen und unteren Teil des Körpers.

Einer der wichtigsten Muskeln, der „Psoas“- dazu gleich mehr, verläuft von der Wirbelsäule durch die Hüfte zu den Oberschenkeln und sorgt dafür, dass wir laufen und aufrecht sitzen können. Durch die Hüfte laufen außerdem wichtige Nervenbahnen wie zum Beispiel der ebenfalls so bekannte Ischias. Das Becken und die Bewegungen, die damit machbar sind, haben wir vielen aufeinander abgestimmten Muskeln zu verdanken. Ist aber einer diese Muskeln blockiert, versucht der Körper dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Andere Muskeln setzen ein, was auf Dauer zu einer Fehlbelastung führen kann.

Beim „Hüfte öffnen“ geht es letztendlich darum, alle Muskeln zu dehnen und zu entspannen. Dabei kommen auch die Muskeln ins Spiel, die vielleicht lange Zeit blockiert, verkürzt, verkümmert, verspannt waren. Geduld und Hingabe sind hier gefragt.

Das, was oft unter dem „Psoas“ zusammengefasst wird, ist eigentlich eine ganze Muskelgruppe. Sie läuft größtenteils in einem Strang von der Wirbelsäule durch die Hüfte zu den Oberschenkeln.

Um es nicht unnötig kompliziert zu machen bleibe ich beim „Psoas”.

Er ist der große Hüftbeugermuskel. Im angespanntem Zustand zieht er den Oberschenkel Richtung Oberkörper (sitzende Haltung). Strecken wir unser Bein nach hinten wird der Psoas gedehnt. Er beginnt an der unteren Brustwirbelsäule und verläuft dann nach unten ins Becken, bis er am Oberschenkelknochen endet. Er ist der einzige Muskel, der die Wirbelsäule mit den Beinen verbindet. Nur durch ihn sind also eine aufrechte Haltung und das Anheben der Beine beim Laufen möglich. Außerdem sorgt er für Stabilität und Gleichgewicht.

Durch Faszien ist der Psoas auch mit dem Zwerchfell verbunden. Hier werden Atem- und Angstreflexe ausgelöst, daher ist der Psoas unmittelbar betroffen. Bei „Gefahr“ spannt er sich mit an und stellt sich auf „Flucht“ oder „Kampf“ ein (=Dein Chef macht Dich unbegründet zur Schnecke und Du verteidigst Dich oder ergreifst die Flucht 😉 ).

Wenn wir durch Stress ständig den Psoas anspannen, fördern wir Muskelverspannungen bis hin zu bleibenden Blockaden. Das ist oft auch die Ursache für Rückenschmerzen, Ischias, Knieschmerzen aber auch Menstruationsbeschwerden oder Schwierigkeiten bei der Verdauung.

Aus yogischer Sicht sagt man auch oft, dass im Psoas Emotionen festsitzen oder spürbar werden womit ich wieder am Anfang meines Beitrags angekommen bin.

Auch durch Verstimmtheit, Traurigkeit oder Wut kontrahiert der Psoas und negative Emotionen können sich „andocken“. Eine bessere Flexibilität im Hüftbereich kann sich also auch positiv auf unser emotionales Empfinden auswirken. Alte Themen können sich lösen.

Genug der Theorie- ab in die Praxis! Ich möchte Dir meine liebsten Asanas für offene Hüften zeigen. Dies soll nicht als Anleitung sondern vielmehr der besseren Vorstellungskraft dienen 😉 Bitte lass Dir die Übungen vom Yogalehrer Deines Vertrauens zeigen wenn Du sie selbst üben möchtest.

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... den Babys nachmachen

Auf dem Rücken liegend ziehe ich beide Knie zum Oberkörper bzw seitlich an ihm vorbei. Meine Oberschenkel sind möglichst parallel zum Boden ausgerichtet, die Fersen über den Knien. Mit den Händen greife ich meine Fußsohlen. Beim Ausatmen konzentriere ich mich darauf tiefer in die Dehnung zu sinken. „Happy Baby“ 😉

… tief in die Hocke

Ich stelle meine Füße etwas mehr als mattenbreit auf. Tief einatmen hier und mit der Ausatmung beuge ich meine Knie, bis ich in einer tiefen Hocke sitze. Nun bringe ich vomgluecklichenbaby3.jpgmeine Handinnenflächen vor der Brust zusammen und schiebe gleichzeitig die Beine weiter auseinander, indem ich mit den Ellenbogen gegen die Innenseite der Knie drücke. Der Rücken bleibt gerade, der Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule.

… flatter flatter

Im „Schneidersitz“ lege ich beide Fußsohlen aneinander und lasse die Knie auseinander gleiten. Ich verhake meine Finger ineinander und lege sie um meine Füße. Das hilft mir auch mich gerade aufzurichten. Der Kopf ist in Verlängerung der Wirbelsäule ausgerichtet. Der „Schmetterling“.

… ruckediguh ruckediguh

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Die „Taube“ beginne ich gerne im dreibeinigem, herabschauendem Hund (Foto ganz zu Beginn des Beitrags). Von dort aus gebe ich das rechte Knie nach vorne zwischen meine Hände und schiebe es etwas an den äußeren Mattenrand. Den Unterschenkel lege ich parallel zur vorderen Mattenkante (es gibt Tage an denen mir das zu doll ist- dann knicke ich das Knie weiter ein). Das linke Bein strecke ich gerade nach hinten aus und lege den Fuß auf dem Spann ab. Nun richte ich mich gerade auf. Wenn ich den Impuls verspüre lege ich meinen Kopf vor mir auf dem Boden ab. Nach dem Auflösen kommt die andere Seite dran.

Zusammenfassung: Asanas für offene Hüften sorgen für mehr Beweglichkeit im unteren Rücken und beugen so Rückenschmerzen vor. Offene Hüftgelenke bringen außerdem das Becken in eine gute Ausrichtung, was ebenfalls für die Entlastung im Rücken sorgt. Auch Spannungen in den Knien können sich lösen. Da es nicht selten vorkommt, dass Muskeln verkürzt oder verkümmert sind, ist Zeit, Geduld und Achtsamkeit beim Üben gefragt.

Es kann sich aber für Dich lohnen.

Hüftöffner sind außerdem nicht nur für den physischen Körper gesund sondern auch auf emotionaler Ebene denn durch das Entspannen des großen Hüftbeugers können sich auch alte Themen, Verletzungen entspannen.

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